"Ein Stück gemeinsames Leben.“

 

Wilhelm und Emma Merton in ihrer Ferienvilla

Global Player mit Bodenhaftung

Von Claudia Michels

Ohne Persönlichkeiten wie Wilhelm Merton wäre Frankfurt nicht Frankfurt geworden: reich, sozial – und „eine Hochburg des Geistes.“ So lässt sich die Biographie lesen, die der Historiker Ralf Roth über den Gründer der Metallgesellschaft geschrieben hat. Das Buch ist in weiten Teilen eine eingängige, immer auf die Merton-Familie rückbezogene Industriegeschichte geworden.

Für Ralf Roth war Wilhelm Merton (1848 bis 1916) einer der ersten „Global Player“ der Stadt. Ein Mann von Welt, der jedoch immer hier verwurzelt blieb. Und ein Konzernlenker, der gleichzeitig die menschlichen Belange der Mitarbeiter im Blick hatte.

Merton interessierte sich auch dafür, wie seine Arbeiter lebten

Dazu unternahm der Großbürger regelmäßig Besuche bei den Armen; „er verweigerte sich nicht, persönlich Fühlung mit dem Leben der Klassen aufzunehmen.“ Dann zog er seine Schlüsse und Konsequenzen daraus, indem er „neben seinem Weltkonzern einen zweiten Konzern aufbaute“. Dieser war zusammengesetzt aus dem Gemeinwohl verpflichteten Unternehmen. Merton ließ ein „Büro zur Nachprüfung von Bittschriften“ einrichten, das ab 1892 Institut für Gemeinwohl genannt wurde.

Im Rückblick wird hier eine Urzelle des sozialwissenschaftlichen Schwerpunkts der 1914 eröffneten Universität gesehen. So hätte es vielleicht ohne das unermüdliche – auch finanzielle – Engagement des Unternehmers Wilhelm Merton an der neuen Uni keine Grundlagenforschung über das Funktionieren moderner Gesellschaften und später dann kein Institut für Sozialforschung mit dem bedeutenden Forscherkreis um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer gegeben.

Mertons Jahre fielen in die hohe Zeit der Industrialisierung, auch die Gesellschaft änderte sich grundlegend. Frankfurt hatte nach zwei neuen Brücken (1847 und 1878) die Börse (1879) und auch den zentralen Hauptbahnhof (1888) gebaut und eröffnet.

Immer mehr Rohstoffe mussten her – am Ende handelte Merton weltweit

Um die Stadt entwickelte sich ein Ring von Fabrikvierteln. Beleuchtung, Verkehr und Kommunikation: Die Aufgaben waren riesig – und der international vernetzte Merton, schrieb Ralf Roth, „witterte das Geschäft“. Rohstoffe mussten her: Kupfer, Zink, Quecksilber, Antimon, Aluminium, Blei – „der Frankfurter Metallhandel des Merton-Konzerns“ heißt es in einer zitierten Chronik, umfasste tatsächlich die ganze Welt“.

Im ständigen Dialog mit dem Oberbürgermeister Franz Adickes als Bündnispartner stand der Industrielle zugleich dafür ein, „dass unsere Gewerbetreibenden sozial, unsere Sozialpartner ökonomisch denken lernen“. So gründete sich 1901 die „Academie der Social- und Handelswissenschaften“, Vorläuferin der Universität. Der Lehrplan war Merton aber nicht genug auf das soziale Denken ausgerichtet. Weil er da jahrelang nicht locker ließ, „spielten die jungen Sozialwissenschaften tatsächlich eine Schlüsselrolle an der neuen Universität“ schreibt Roth.

Mit freundlicher Genehmigung des Instituts für Stadtgeschichte und der Frankfurter Rundschau.


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